The Golden Sufi Center

Weder vom Osten noch vom Westen:
Die Reise der Naqshbandiyya-Mujaddidiyya von Indien nach Amerika


Llewellyn Vaughan-Lee


Sein Licht gleicht einer Nische,
in der sich eine Lampe befindet;
die Lampe ist in einem Glase,
und das Glas gleicht einem flimmernden Stern.
Es wird angezündet von einem gesegneten Baum,
einem Ölbaum, weder vom Osten noch vom Westen,
dessen Öl fast leuchtete,
auch wenn es kein Feuer berührte—
Licht über Licht


—LICHT-VERS (KORAN SURE 24:35)


EINE ÜBERTRAGUNG VON LIEBE

Die Essenz eines jeden Sufi-Ordens, oder tariqa, ist die Energie der Überlieferung, die spirituelle Energie oder Substanz, die von Lehrer zu Lehrer übertragen wird und die in einer ununterbrochenen Linie bis zum Propheten Mohammed zurückreicht. Ohne diese Übertragung ist tariqa eine Form ohne Substanz, welcher die spirituelle Energie fehlt, die für die wirkliche Transformation des Herzens notwendig ist. Die wahre Geschichte eines jeden Sufi-Ordens ist die Geschichte dieser Übertragung, die der eigentliche Kern des Pfades ist, um die herum sich seine Praktiken und Etikette im Laufe der Zeit entwickeln. Die äußere Form des Pfades kann sich ändern, entsprechend der Zeit, dem Ort und den Menschen, aber die innere Essenz muss dieselbe lebende Substanz göttlicher Liebe bleiben.

1961 kam eine Frau aus dem Westen, Irina Tweedie, in der nordindischen Stadt Kanpur an, wo sie ihren Sufi-Meister, Bhai Sahib(1), traf. Er war Mitglied einer Familie von Sufis. Sein Onkel, Vater und älterer Bruder waren alle Sufi sheikhs in der Linie der Naqshbandiyya-Mujaddidiyya, einem indischen Zweig des Naqshbandi-Ordens, genannt nach dem Sufi-Meister des 14. Jahrhunderts Baha ad-din Naqshband. Die Naqshbandis, bekannt als die Stillen Sufis, praktizieren einen stillen statt eines lauten dhikr. Sie beschäftigen sich nicht mit sama, heiliger Musik oder Tanz; genauso wenig ziehen sie sich auffallend an, um sich von den gewöhnlichen Leuten zu unterscheiden. Ein zentraler Aspekt des Naqshbandi-Pfades ist shubat, die enge Beziehung zwischen Meister und Schüler. Der Orden war sehr erfolgreich in Zentral-Asien, und er breitete sich innerhalb Indiens durch die Arbeit von Ahmad Sirhindî (gestorben 1624) aus, der als der Mujaddid (Erneuerer) bekannt war.

Ungewöhnlich an dieser Sufi-Familie war, dass sie Hindus und nicht Moslems waren. Traditionell waren die Naqshbandiyya-Mujaddidiyya die orthodoxesten aller Sufi-Orden, und betonten die Wichtigkeit des islamisches Gesetzes (shari'ah); aber am Ende des neunzehnten Jahrhunderts fand ein Übergang statt. Fazl Ahmad Khan, der sheikh von Bhai Sahibs Onkel, war Moslem, so wie auch alle anderen Vorgänger auf diesem Pfad. Aber als der Onkel, Lalaji(2), zu seinem sheikh sagte „Ich gehöre dir. Wenn du mir erlaubst, trete ich zum Islam über“, lehnte Fazl Ahmad Khan diese Idee ab: „Du sollst so etwas nicht denken. Spiritualität braucht nicht einer bestimmten Religion zu folgen. Spiritualität sucht die Wahrheit und die Selbstverwirklichung, die Anliegen der Seele sind...Es ist die Pflicht eines jeden, den Sitten und Ritualen des Landes und der Religion, in die man geboren wurde, zu folgen.“(3)

Irina Tweedie war die erste westliche Frau, die in dieser uralten Sufi-Linie geschult wurde. Nach dem Tod ihres sheikh 1966 kehrte sie nach England zurück, wo sie eine Meditationsgruppe begann. Sie durfte als letzte Person ihren sheikh lebendig sehen, und auf sie richtete er seinen letzten Blick, als er starb: „Ohne den Kopf zu heben, sah er mich mit einem tiefen, ernsten Blick an, senkte die Augen für einen kurzen Moment und schaute mich wieder an...Es war der Blick eines göttlichen Liebhabers...Mein Herz stand still. Es fühlte sich an, als sei es von einem Schwert durchbohrt.“(4) Nach England zurückgekehrt, trug sie die Übertragung ihres sheikh mit sich, die Energie der göttlichen Liebe, die notwendig ist, das Herz zu erwecken und den Reisenden nach Hause zu führen—so brachte sie den Naqshbandiyya-Mujaddidiyya Sufi-Pfad in den Westen.

Mein erstes Treffen mit Irina Tweedie fand 1973 statt, als ich zu einem Vortrag eingeladen worden war und mich hinter einer alten Frau sitzend fand, die ihre weißen Haare in einem Knoten hochgesteckt hatte. Nach dem Vortrag wurde ich ihr durch einen Freund vorgestellt. Sie warf mir einen Blick aus ihren durchdringenden blauen Augen zu, und in diesem Augenblick hatte ich die physische Erfahrung, zu einem Häufchen Staub auf dem Boden zu werden. Dann drehte sie sich um und ging und ich blieb völlig aufgewühlt zurück.

Es gibt einen Sufi-Ausspruch, dass der Schüler „weniger als der Staub zu den Füßen des Lehrers“ werden muss. Wir müssen zerrieben werden, bis nichts mehr übrig ist, nur ein bisschen Staub, der vom Wind des Geistes hierhin und dorthin geweht wird. Nur wenn wir unseren Sinn für uns selbst, die Werte des Ego verloren haben, können wir den süßen Duft des Göttlichen tragen, so wie es in einem persischen Lied beschrieben ist:

Warum verströmst du diesen Wohlgeruch, o Staub?
Ich bin nur Staub, auf den die Leute treten,
Aber ich durfte teilhaben am Duft im Hof eines Heiligen.
Nicht ich bin es—denn ganz gewöhnlicher Staub bin ich nur.(5)

Zu jener Zeit fehlte mir das Verständnis für diese Erfahrung. Ich hatte keinen Bezugsrahmen, mit dessen Hilfe ich sie hätte verarbeiten können. Es geschah einfach, und ich erwähnte es niemandem gegenüber. Erst später wurde mir klar, dass es ein Vorgeschmack des Pfades war. Denn so funktioniert es auf dem Sufi-Pfad: Wenn wir den Lehrer treffen, wenn wir zum ersten Mal den Pfad betreten, wird uns ein kurzer Einblick gegeben, wohin er uns führen wird. In Visionen, Träumen oder inneren Erfahrungen wird dem Reisenden gezeigt, was diese Reise bedeuten wird. Die Naqshbandis sagen, dass „das Ende im Anfang gegenwärtig ist“: der Sufi-Pfad ist ein geschlossener Kreis der Liebe; alles ist im ersten Moment enthalten. Oftmals werden den Reisenden flüchtige Eindrücke von Seligkeit und bedingungsloser Liebe gegeben. Ich wurde in fanâ geworfen, den Zustand der Vernichtung. Mir wurde gezeigt, dass ich alles verlieren würde, jeden Sinn für mich selbst. Das war nicht so sehr eine Warnung als vielmehr eine Feststellung. Es gab keinen Spielraum, irgendetwas zu entscheiden; freier Wille spielte dabei keine Rolle. Ich hatte nicht einmal bewusst erkannt, dass ich meine spirituelle Zukunft gesehen hatte. Ich hatte in die Augen einer weißhaarigen alten Frau geschaut, die ich nie zuvor gesehen hatte, und wurde zu Staub auf dem Boden. Ich verstand diese Erfahrung nicht oder hinterfragte sie nicht einmal. Ich wusste nicht, dass meine spirituelle Schulung begonnen hatte.

MEDITATION

Ich besuchte ihre kleine Meditationsgruppe in einem winzigen Zimmer dicht an den Eisenbahngleisen im Norden Londons. Die Herz-Meditation, die wir praktizierten, war in Indien entwickelt worden, wo sie auch als dhyana-Meditation bekannt ist:

Bei der Herz-Meditation spielt die Körperhaltung keine Rolle, solange der Körper entspannt ist: Man kann sitzen oder sich sogar hinlegen. Bei der ersten Stufe dieser Meditation wird das Gefühl der Liebe hervorgerufen, die das Herz-Chakra aktiviert. Das kann auf ganz unterschiedliche Arten getan werden. Die einfachste ist, an jemanden zu denken, den wir lieben. Das kann Gott sein, der große Geliebte. Aber oftmals ist Gott eher eine Idee als eine lebendige Realität im Herzen, und es ist leichter, an eine Person zu denken, die wir lieben, wie einen Liebhaber oder einen Freund.

Liebe hat viele verschiedene Qualitäten. Für einige ist das Gefühl der Liebe eine Wärme oder eine Süße, eine Sanftheit oder Zärtlichkeit, während es für andere Frieden, Ruhe oder Stille ist. Liebe kann auch als Schmerz kommen, als seelische Qual, als Gefühl des Verlustes. Wie auch immer die Liebe zu uns kommt, wir versenken uns in dieses Gefühl; wir nehmen alles von uns mit in die Liebe im Herzen. Wenn wir das Gefühl der Liebe hervorgerufen haben, werden Gedanken kommen, in unseren Verstand eindringen—was wir am Tag zuvor gemacht haben, was wir morgen tun müssen. Erinnerungen werden vorbeifließen, Bilder werden vor dem geistigen Auge auftauchen. Wir müssen uns vorstellen, dass wir jeden Gedanken, jedes Gefühl und jedes Bild nehmen und in dem Gefühl der Liebe ertränken, darin auflösen.

Jedes Gefühl, besonders das Gefühl der Liebe, ist um vieles dynamischer als der Denkprozess. Wenn man diese Übung gut macht, das heißt mit äußerster Sammlung, werden alle Gedanken verschwinden. Nichts wird bleiben. Der Verstand wird leer werden.

Der Zustand von dhyana ist ein völliger Rückzug der Sinne, in dem der Verstand von der Energie der Liebe im Herzen zum Stillstand gebracht und der individuelle Geist vom universellen Geist absorbiert wird. Die tatsächliche Erfahrung von dhyana geschieht selten am Anfang der Meditationspraxis. Es kann Monate dauern, sogar einige Jahre, diesen Zustand zu erreichen. Und wenn wir tatsächlich beginnen, dhyana zu erfahren, nehmen wir es möglicherweise nicht wahr. Die anfängliche Erfahrung von dhyana dauert normalerweise nur den Bruchteil einer Sekunde—für einen Augenblick taucht der Verstand in das Unendliche ein, nur für einen Moment sind wir nicht anwesend. Es kann wenig oder gar kein Bewusstsein dafür da sein, dass dies geschehen ist; der Verstand ist sich möglicherweise gar nicht klar darüber, dass er abwesend war. Aber allmählich verschwindet der Verstand für immer längere Zeitabschnitte; uns wird bewusst, dass unser Verstand abgeschaltet ist. Die Erfahrung kann für einige Zeit wie Schlaf erscheinen, denn Schlaf ist für uns diesem verstandesfreien Zustand am Ähnlichsten.

Die Erfahrung von dhyana vertieft sich, wenn der Liebende immer weiter in eine Realität jenseits des Verstandes eintaucht. Mehr und mehr spürt man den Frieden, die Stille und das tiefe Gefühl von Wohlbefinden einer weitaus größeren Realität, wo die Probleme, die uns ein Großteil unserer Zeit umgeben, nicht existieren—eine Realität jenseits von den Schwierigkeiten der Dualität und den Begrenzungen der Welt des Verstandes und der Sinne, mit der wir in der Meditation—für eine kleine Weile jeden Tag—verschmelzen.

Dhyana ist die erste Stufe in der Meditation des Herzens. Es ist, wie Irina Tweedie es beschreibt, „die erste Stufe nach dem Stillen des Verstandes muss vom Intellekt her betrachtet als ein unbewusster Zustand gesehen werden. Es ist der erste Schritt jenseits des Bewusstseins, wie wir es kennen.“(6) In dhyana wird das Herz aktiviert und die Energie der Liebe verlangsamt den Verstand. Der Verstand verliert seine mächtige Kontrolle und das individuelle Bewusstsein geht verloren, zuerst für Augenblicke und dann allmählich für längere Zeitspannen. Der Liebende wird absorbiert, eingetaucht in den Ozean der Liebe.

Nach diesem Stadium der Unbewusstheit beginnt ein höheres Bewusstsein, oder samadhi, zu erwachen. Die Entwicklung von dhyana zu samadhi geschieht „in kleinen Schritten“, „die höchsten Stufen von dhyana werden allmählich transformiert zur niederen Stufe von samadhi, wo man immer noch nicht völlig bewusst ist“. Dieser weniger bewusste Zustand führt wiederum zum höheren Zustand von samadhi, der „ein vollständiges Erwachen der eigenen Göttlichkeit repräsentiert.“(7)

Die Erfahrungen von samadhi sind nicht einfach zu beschreiben. Sie gehören zu einer Ebene der Realität jenseits des Verstandes, zu einer Dimension der Einheit, in der alles miteinander verschmolzen ist, wo der Verstand, der durch seine Unterscheidungsfähigkeit wahrnimmt, keinen Halt finden kann. In samadhi beginnen wir, unsere wahre Natur zu erfahren, die ein Zustand der Einheit ist; wir sind, was wir erfahren. Allmählich offenbaren sich uns und durchtränken uns eine allumfassende Einheit und eine Energie der Liebe, die zum Selbst gehören und die dem ganzen Leben zugrunde liegen. Diese Einheit ist kein statischer, sondern ein höchst dynamischer Zustand des Seins, der sich ständig ändert. Auch unsere Erfahrung davon verändert sich: Nicht zwei Meditationen gleichen sich und unsere Erfahrung wird tiefer und reicher, immer vollständiger. Auf dieser Ebene der Einheit hat alles seinen eigenen Platz und erfüllt seinen eigentlichen Zweck. Hier ist die wahre Natur von allem, was geschaffen ist, als ein Ausdruck göttlicher Einheit und göttlicher Herrlichkeit gegenwärtig. In der äußeren Welt erleben wir nur eine fragmentierte Wahrnehmung unseres Selbst und unseres Lebens. Hier ist alles vollständig und wir erfahren, dass alles so ist, wie es sein soll.

DAS HERZ POLIEREN

Im Zimmer meiner Lehrerin meditierten wir, tranken Tee und aßen Kekse, hörten zu und sprachen miteinander. Meine Lehrerin sprach über ihren sheikh, über seine grenzenlose Liebe und unzweifelhafte Autorität, über die Macht und die Schönheit seiner Gegenwart und über das Verlangen nach Wahrheit, das im Herzen verborgen liegt. Sie ließ uns an der Leidenschaft teilhaben, mit der sie dieses Ur-Verlangen lebte, und drängte uns, das zu leben, was am tiefsten in uns war. Es gab nur wenig Form oder Struktur bei diesen wöchentlichen Treffen. Wir meditierten in Stille und saßen dann einfach zusammen, manchmal im Schweigen, oftmals im Gespräch. Später wurde mir klar, dass unsere Art des Treffens—einfach zusammen sein, in Stille und auch in Diskussionen, in Gesprächen über den Pfad—ein essentielles Merkmal der Naqshbandi-Tradition ist. In den Worten von Baha ad-din Naqshband: „Unser Weg ist der des Gruppengesprächs. Im Alleinsein ist Ansehen und im Ansehen liegt Gefahr. Wohlergehen lässt sich in einer Gruppe finden. Jene, die diesem Weg folgen, finden großen Nutzen und Segen in Gruppentreffen.“ Unsere Gruppengespräche schlossen die bei den Naqshbandi traditionelle Beachtung der Psychologie mit ein. Auf dem Naqshbandi-Pfad haben viele der inneren Kämpfe und Schwierigkeiten eine psychologische Dimension. Diese Tradition geht weiter zurück als auf Baha ad-din, nämlich auf Al-Hakîm at-Tirmidhî (gestorben 907), einen der frühen Sufi-Meister, den Baha ad-din als einen seiner Lehrer anerkannte; al-Hakîm at-Tirmidhî war bekannt für eine der frühsten Sufi-Schriften über mystische Psychologie. In der Zeit, als Irina Tweedie bei Bhai Sahib war, war sie erstaunt zu entdecken, dass—obwohl er nichts über westliche Psychologie wusste—sein Prozess der spirituellen Schulung Ähnlichkeiten mit dem vom Schweizer Psychologen Carl Jung beschriebenen Prozess der Individuation hatte. Als sie zu Bhai Sahib kam, hatte sie auf spirituelle Lehren gehofft, aber stattdessen zwang er sie, sich ihrer eigenen Dunkelheit zu stellen, ihrem abgelehnten „Schatten“, wie Jung es beschreibt. Viele andere Elemente Jungianischer Psychologie, wie die Gefahr der Inflation, wurden in seiner Schulung berücksichtigt. Als sie nach London zurückkehrte und ihre Gruppe eröffnete, integrierte sie den Jungianischen Ansatz in die Sufi-Lehren. Wir diskutierten die Transformation des Schattens genauso wie die eher traditionellen Zugänge, mit der niederen Natur (nafs) zu arbeiten.

Die Herz-Meditation mag sehr einfach erscheinen, aber sie funktioniert wie ein Katalysator, der den Prozess der inneren Transformation beschleunigt, indem er die eigene Dunkelheit an die Oberfläche bringt, wo sie konfrontiert und akzeptiert werden muss. Die abgelehnten und nicht anerkannten Teile der eigenen Psyche müssen angenommen werden, müssen „einen Platz in der Sonne bekommen“. Dies ist die traditionelle Sufi-Arbeit: das „Polierens des Spiegels des Herzens“, das uns einen Einblick in unsere wahre Natur ermöglicht. Wenn dieser innere Spiegel zugedeckt ist von dem, was im Westen Projektionen und Ego-Konditionierungen genannt wird, sehen wir alles auf verzerrte Art und Weise; wir sehen die verworrenen Reflexionen unseres eigenen Lichts und unserer Dunkelheit. Während wir den Spiegel polieren, werden die Verzerrungen weggenommen und wir fangen an, mit einer neuen Klarheit und Einfachheit zu sehen. Vom scheinbaren Chaos der Mannigfaltigkeit ausgehend wird uns allmählich die darunterliegende Einheit bewusst. Das Göttliche wird ins Bewusstsein geboren und seine Qualität der Ganzheit fängt an, unser inneres und äußeres Leben zu durchdringen. Indem wir nach innen schauen, blicken wir über das Ego oder nafs hinaus auf das, was essentieller und beständiger ist: „Obwohl du vollständig verändert bist, siehst du dich selbst wie du vorher warst.(8)

Mit dem psychologischen Prozess des Pfades ist die Praxis der Traumarbeit eng verbunden. Baha ad-din war als Interpret von Träumen berühmt, und Träume wurden immer als eine Führung auf dem Pfad angesehen. In unserer Meditationsgruppe diskutieren wir Träume, insbesondere Träume mit einer spirituellen Dimension. Über die Jahre hinweg haben wir einen Weg entwickelt, mit Träumen zu arbeiten, der den traditionellen Sufi-Zugang zu Träumen mit den Einsichten der modernen Psychologie verbindet; und dadurch haben wir ein Gefäß geschaffen, das dem Reisenden hilft, den inneren Prozess des Pfades zu verstehen.(9) Obwohl die meisten dieser innersten Prozesse dem gewöhnlichen Bewusstsein immer verborgen sein werden, ist es für die Reisenden hilfreich, einen Zusammenhang zu haben für das, was in ihnen passiert. Träume funktionieren als Botschafter der Innenwelt, und wenn wir ihnen zuhören, können wir uns selbst viel besser auf unsere innere Transformation einstellen.

Als der Pfad in den Westen kam, wurde die psychologische Arbeit und die Trauminterpretation entsprechend den Bedürfnissen der westlichen Praktizierenden weiterentwickelt, da traditionelle Sufi-Zugänge nicht hinreichend die besonderen Entwicklungen der westlichen Psyche berücksichtigen. Im Westen zum Beispiel ist die Individualität des Ego sehr hoch entwickelt, während in Indien, wo der Naqshbandiyya-Mujaddidiyya Orden seine Wurzeln hat, die Menschen eher dazu tendieren, mit dem Kollektiv identifiziert zu sein—oftmals ist die Familie wichtiger als das eigene individuelle Selbst. Um den Westlern auf dem Pfad zu helfen, wurden die Erkenntnisse von Carl Jung in die spirituelle Sufi-Psychologie integriert. Jungs Arbeit, die auf der westlichen Tradition der Alchemie basiert, bietet das vollständigste Verständnis des Prozesses spiritueller Transformation unserer Psyche an, bei der das „Blei“ oder die „prima materia“ unseres instinktiven Selbst in das „Gold“ unserer wahren Natur verwandelt wird.

DHIKR UND ERINNERUNG

Neben Meditation, psychologischer innerer Arbeit, Traumarbeit und Zusammensein mit anderen Reisenden ist eine andere zentrale Praxis dieses Naqshbandi-Pfades der stille dhikr. Der dhikr ist eine Wiederholung eines heiligen Wortes oder Satzes. Es kann die shahâda sein, “Lâ ilâha illâ llah” (Es gibt keinen Gott außer Gott), aber oftmals ist es einer der Namen oder Attribute Gottes. Der dhikr, der uns gegeben wurde, ist Allâh. Es wird im Islam gesagt, dass Gott neunundneunzig Namen hat, aber der bedeutendste unter ihnen ist Allâh, da Allâh Sein größter Name ist und alle Seine göttlichen Eigenschaften enthält.

Aber für den Sufi weist der Name Allâh auch über all Seine Attribute hinaus. Entsprechend einer esoterischen Sufi-Tradition ist das Wort Allâh zusammengesetzt aus dem Artikel al (das) und lâh, was nach einer der Interpretationen „nichts“ heißt. Deswegen kann das Wort Allâh so verstanden werden, dass es „das Nichts“ bedeutet. Die Tatsache, dass Sein größter Name den Sinngehalt von „das Nichts“ mit einschließt, ist von großer Bedeutsamkeit, weil für den Mystiker die Erfahrung von Wahrheit oder Gott jenseits aller Formen und Attribute ist. Sie ist eine Erfahrung des Nichts. Kurz vor seinem Tod sagte der Naqshbandi Sufi-Meister Bhai Sahib zu Irina Tweedie: „Es gibt Nichts als das Nichts.“ Er wiederholte es zweimal. Die Worte weisen auf die eigentliche Essenz des Sufi-Pfades hin, wie Irina Tweedie erklärt:

Es gibt nichts als das Nichts...Nichts, weil das kleine Selbst gehen und man zu nichts werden muss. Nichts, weil die höheren Bewusstseinszustände für den Verstand das Nichts bedeuten, denn er kann dort nicht hinreichen; sie liegen völlig außerhalb seines Wahrnehmungsrahmens. Auf der Ebene des Verstandes kann es kein völliges Verstehen dieser Zustände geben, also ist er mit dem Nichts konfrontiert. Und im letzten, wunderbarsten Sinn heißt es, in das leuchtende Meer der Unendlichkeit einzutauchen, darin aufzugehen.(10)

Insofern beinhaltet der Name Allâh die Essenz aller Sufi-Lehren: zu nichts zu werden, in Ihm vernichtet zu werden, so dass alles, was bleibt, Seine Unendliche Leere ist. Einer der Mysterien des Pfades ist, dass diese Leere, dieses Nichts dich liebt. Es liebt dich mit einer Intimität und Zärtlichkeit und unendlichem Verständnis jenseits jeder Vorstellungskraft. Es liebt dich aus dem tiefsten Innern des Herzens, aus dem Kern deines eigenen Seins. Es ist nicht getrennt von dir. Sufis sind Liebende und das Nichts ist der Größte Geliebte, in dessen Umarmung der Liebende vollständig verschwindet. Dies ist der Pfad der Liebe. Es ist der Kelch des vernichtenden Weines, den Seine Liebenden gerne trinken—wie es in den Worten von Rumi heißt:

Ich habe den Kelch geleert:
jetzt gibt es nichts,
außer ekstatischer Vernichtung.(11)

Indem wir den dhikr sprechen, Seinen Namen still mit dem Atem wiederholen—„Al“ mit dem Ausatmen, „lâh“ mit dem Einatmen—, erinnern wir uns an Ihn. Mit jedem Zyklus des Atems kehren wir zu der inneren Essenz im Herzen zurück und leben die Erinnerung unserer Liebe für Ihn. Indem wir den dhikr so beständig, wie wir können, wiederholen, bringen wir dieses Mysterium in unser alltägliches Leben. Indem wir Seinen Namen wiederholen, während wir mit den einfachen Aktivitäten unseres Tages beschäftigt sind—gehen, Auto fahren, kochen, putzen –, flößen wir Seinen Namen allem, was wir tun, ein: Wenn wir zum Beispiel mit dem dhikr kochen, geben wir Seine Erinnerung in das Essen; wenn wir mit dem dhikr putzen, putzen wir mit Seinem Namen. Wenn wir nachts wach liegen, können wir still Seinen Namen wiederholen. Schwerer fällt es, wenn wir uns unterhalten oder mit geistigen Aktivitäten beschäftigt sind, aber wenn unser Verstand frei genug ist, um Ihn wieder zu erinnern, erfreuen wir uns einmal mehr daran, den Namen des Einen zu wiederholen, den wir lieben.

Möglicherweise fällt es uns zunächst schwer, uns so häufig zu erinnern, wie wir das gerne tun würden. Aber durch die Übung wird der dhikr ein natürlicher, fast automatischer Teil unseres Atems und dann wird kein Moment mehr verschwendet. Jeder Atemzug richtet unsere Aufmerksamkeit auf Ihn. Und mit der Zeit wird unser ganzen Wesen dazu gebracht, an dieser Aufmerksamkeit teilzuhaben. Durch die Wiederholung Seines Namens erinnern wir uns an Ihn nicht nur im Verstand, sondern auch im Herzen. Schließlich kommt der Zeitpunkt, wenn jede Zelle des Körpers Seinen Namen wiederholt.

Es heißt: „Erst machst du den dhikr, dann macht der dhikr dich.“ Der Name Gottes wird ein Teil unseres Unbewussten, und er singt in unserem Blut. Das wird wunderschön in einer alten Sufi-Geschichte dargestellt:

Sahl sagte zu einem seiner Schüler: „Versuch für einen Tag ununterbrochen zu sagen: 'Allâh! Allâh! Allâh' und mach dasselbe am nächsten Tag und den Tag danach, bis es dir eine Gewohnheit geworden ist.“ Dann hieß er ihn, dies auch in der Nacht zu tun, bis es so vertraut wurde, dass der Schüler es sogar während des Schlafes wiederholte. Dann sagte Sahl: „Wiederhole den Namen Gottes nicht mehr bewusst, sondern lass all deine Sinne von der Erinnerung an Ihn in Anspruch genommen werden!“ Der Schüler tat dies, bis er von dem Gedanken an Gott ganz absorbiert war. Eines Tages fiel ein Stück Holz auf seinen Kopf und schlug ihm den Schädel auf. Die Blutstropfen, die auf den Boden flossen, formten den Schriftzug „Allâh! Allâh! Allâh!“(12)

Diese Weise, wie der Name Gottes den Reisenden durchdringt, ist kein metaphorisches Bild, sondern ist ein Ereignis im wortwörtlichen Sinne. Der dhikr ist durch den Lehrer magnetisiert, so dass er den Reisenden innerlich auf den Pfad und das Ziel ausrichtet (aus diesem Grund muss der dhikr durch den Lehrer gegeben werden, obwohl es in manchen Fällen auch durch das Höhere Selbst oder traditionellerweise durch Khidr gegeben werden kann).(13) Indem er im Unbewussten arbeitet, verändert der dhikr unsere mentalen, psychologischen und physischen Körper. Auf der mentalen Ebene ist das leicht zu erkennen. Normalerweise folgt der Verstand im Alltag seinem automatischen Denkprozess, über den wir meist sehr wenig Kontrolle haben. Der Verstand denkt uns anstatt umgekehrt. Nimm einmal nur für einen Moment deinen Verstand ins Visier und beobachte seine Gedanken—jeder Gedanke kreiert einen neuen, jede Antwort eine neue Frage. Und weil die Energie den Gedanken folgt, ist unsere mentale und psychologische Energie in viele Richtungen zerstreut. Sich wirklich dem spirituellen Leben zu verpflichten bedeutet zu lernen, sich auf einen Punkt auszurichten, all unsere Energie auf eine Richtung zu fokussieren, auf Ihn. Indem wir Seinen Namen wiederholen, verändern wir die tief eingegrabenen Rillen unserer mentalen Konditionierung, welche dieselbe Melodie immer wieder spielt und dieselben Muster wiederholt, die uns an unsere mentalen Gewohnheiten binden. Der dhikr ersetzt allmählich diese alten Eindrücke mit dem einzigen Eindruck Seines Namens. Der automatische Denkprozess wird neu ausgerichtet auf Ihn. Man könnte sagen, dass die Praxis des dhikrs uns für Gott neu programmiert.

Die Liebende(14) erfährt eine tiefe Freude in der Wiederholung des Namens ihres unsichtbaren Geliebten, der so nah ist und doch so weit entfernt. Wenn Er nah ist, ist das Aussprechen Seines Namens ein Ausdruck unserer Dankbarkeit Ihm gegenüber für die Seligkeit Seiner Anwesenheit, für die Süße Seiner Gesellschaft. Wenn Er abwesend ist, wird er zu unserem Schrei nach Ihm und hilft uns, die Sehnsucht und den Schmerz zu ertragen. In schwierigen Zeiten schenkt uns Sein Name Sicherheit und Hilfe. Er gibt uns Stärke und kann dabei helfen, die Blockaden aufzulösen, die uns von Ihm trennen. Wenn wir Seinen Namen sagen, ist Er mit uns, selbst wenn wir uns mit unseren Lasten völlig allein fühlen.

Durch das Wiederholen Seines Namens fangen wir an, unsere Identifikation mit unserem isolierten, beladenen Ego zu verlieren und identifizieren uns mit unserem Geliebten, der in unserem eigenen Herzen verborgen war. Allmählich fallen die Schleier fort, die Ihn verborgen hielten und die Liebende erkennt Seine Gegenwart in ihrem Herzen. Und so wie Er die inneren Schleier wegnimmt, hebt er auch die äußeren Schleier auf. Dann findet die Liebende Ihn nicht nur in den inneren Dimensionen ihres Herzens, sondern auch in der äußeren Welt. Sie macht die Erfahrung, dass „wohin auch immer du dich wendest, dort ist das Angesicht Gottes.“(15)

Dann wird Er, den wir lieben und dessen Namen wir wiederholen, unser ständiger Gefährte. Und die Liebende wird auch eine Gefährtin Gottes, denn die „Augen, die Gott anschauen sind auch die Augen, durch die Er die Welt anschaut.“(16) Diese Beziehung der Gemeinschaft mit Gott gehört zur jenseitigen Dimension und wird doch in dieser Welt gelebt. Der Geliebte ist unser wahrer Freund, und diese Beziehung ist die tiefste Freundschaft; sie verlangt unsere völlige Teilnahme. Wenn wir den dhikr praktizieren, Seinen Namen wiederholen, sind wir bei Ihm mit jedem Atemzug.

UMZUG NACH AMERIKA

Als Irina Tweedie aus Indien nach England zurückkehrte, schuf sie eine an den Westen angepasste äußere Form unserer Gruppentreffen für die Arbeit dieser tariqa. Aus Meditation, Traumarbeit und Diskussion bestehend gaben uns die Treffen auch die Möglichkeit, einfach durch gemeinsames Tee-Trinken und die Gesellschaft des Pfades auf die Art der Sufis zusammen zu sein. Die Gruppe hatte keine religiöse Ausrichtung; sie war offen für alle und die Teilnehmer kamen aus einer Vielfalt verschiedener sozialer, kultureller und religiöser Hintergründe—alles was nötig war, war die Sehnsucht nach Wahrheit und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, um die innere Arbeit der Läuterung und Transformation zu vollziehen.

Aber der Kern des Pfades liegt in der Beziehung zum Lehrer (suhbat). Nur durch diese Beziehung werden die Übertragung der Linie und die Gnade gegeben. Ohne sie kann es keine innere Transformation oder Reise stattfinden. Irina Tweedie brachte nicht nur eine äußere Form in den Westen, sondern eine innere lebendige Verbindung mit ihrem sheikh, die Zeit und Raum, Leben und Tod überschreitet. Durch die Schulung, der er sie unterworfen hatte, war ihr sheikh in der Lage, sie zu erreichen, nachdem er gestorben war—nicht mehr als Mensch, sondern als ein Energiezentrum, das zu ihr kam, wenn sie in Meditation war. Diese lebendige Verbindung ist das wirkliche Fundament und das Herz des Naqshbaniyya-Mujaddidiyya-Pfades, als er im Westen ankam. Später erfuhr ich, dass es seine Präsenz war, die ich in ihr spürte. Es war sein Duft, der mich dazu brachte, zu ihren Füßen zu sitzen.

Viele Jahre lang besuchte ich die Meditationsgruppe, hörte Träumen zu und sah die Art und Weise, wie die Reise der Seele sich in mir selbst und bei allen, die kamen, entfaltete. Eines Tages, als ich ungefähr dreißig und bei meiner Lehrerin über zehn Jahre gewesen war, sagte sie im Vorbeigehen, dass mein Leben sich ändern würde, wenn ich sechsunddreißig geworden sei. Zu jener Zeit war ich ein junger Vater und ein Englisch-Lehrer an der höheren Schule. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was sie meinte. Aber sechs Jahre später fand ich mich in Amerika wieder, wo ich Vorträge über Sufismus und Psychologie hielt. 1991 wurde mir gesagt, dass ich mit meiner Familie nach Kalifornien umziehen und ein spirituelles Zentrum für unseren Naqshbandi-Pfad in den Vereinigten Staaten beginnen soll. 1992 wurde das Golden Sufi Center als Übermittler für die Lehren dieses Ordens gegründet. In gleichen Jahr zog sich Irina Tweedie zurück und ich wurde als ihr Nachfolger benannt. Ich wurde gebeten, ihre Arbeit im Westen fortzusetzen.

In vielerlei Hinsicht wurde in Amerika die Arbeit des Pfades – so wie sie sich in England entwickelt hatte—fortgeführt. Wir bauten ein kleines Meditations-Zentrum für regelmäßige wöchentliche Meditationstreffen auf. Ich reiste durch Amerika und hielt Vorträge, und langsam wurden in verschiedenen Städten andere Meditationsgruppen gegründet, welche die Gruppen, die sich in England und Europa in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet hatten, widerspiegelten.(17) Einmal im Jahr treffen sich unsere amerikanischen Sufis für ein Wochen-Retreat. Ansonsten geht der Pfad, so wie er es in England tat, weiter: mit wenig äußerer Struktur außer bei den Gruppentreffen, die nach wie vor aus Meditation, Traumarbeit, Gespräch und Tee bestehen. Einige weitere subtile Veränderungen wurden vorgenommen, welche die Eigenheiten der amerikanischen Kultur und der amerikanischen Suchenden berücksichtigen. Die mündliche Sufi-Lehre und Führung zum Beispiel wird traditionellerweise durch Andeutungen gegeben. Selten wird der Lehrer direkt einen Schüler ansprechen; eher wird er Geschichten erzählen oder sogar zu einer Person etwas sagen, was für eine andere gemeint ist. Aber bald hatte ich herausgefunden, dass amerikanische Schüler Andeutungen oder indirekte Lehren nicht erfassen konnten: In dieser Kultur wird alles „ins Gesicht“ gesagt, und Feinheiten und subtile Anregungen kommen nicht zu den Leuten durch. Aufgrund dieses Bedürfnisses wurde mir erlaubt, direkter in meinem Lehren zu sein.

Aber die essentielle Natur des Pfades ist unverändert geblieben. Unter der Oberfläche der äußeren Formen findet die traditionelle Arbeit des Pfades so wie immer statt: Jedem Reisenden wird die Führung und Unterstützung gegeben, die er oder sie braucht—durch eine Übermittlung von Liebe, die von Herz zu Herz gegeben wird, von Seele zu Seele. Ist einmal eine Verbindung zwischen Lehrer und Schüler hergestellt, ist sogar die physische Anwesenheit des Lehrers für diese Übermittlung nicht immer notwendig. Sie geschieht still auf der Ebene der Seele, wo Dualität und die Begrenzungen von Zeit und Raum nicht existieren und wo die Führung, die Lehren und die Energie des Pfades mühelos gegeben und empfangen werden, oftmals ohne das bewusste Wissen des Reisenden. Das ist so, wie es immer gewesen ist. Und nicht zwei Reisende werden gleich behandelt, da jedes Herz, jede Seele einzigartig ist. Manche Suchenden lernen zu lieben, während andere lernen müssen, geliebt zu werden. Der Pfad drängt einige, Anhaftungen zu lösen, während andere tiefer in familiäre und weltliche Angelegenheiten eingebunden werden. Die Übermittlung der Liebe geschieht immer von einem zum andern, indem die wahre Natur und das wahre Bedürfnis jedes Schülers widergespiegelt wird.

In vielerlei Hinsicht scheinen der Naqshbandi-Sufismus und die westliche, besonders die amerikanische, Kultur schlecht zusammen zu passen. Der extrem extrovertierte Charakter ihrer Kultur macht es vielen Amerikanern schwer, die versteckte Natur des Pfades wertzuschätzen. Dies ist der introvertierteste aller Sufi-Pfade. Die intensive Ausrichtung nach innen des Naqshbandi-Pfades kann zurückverfolgt werden bis zu einer Gruppe persischer Derwische von Nishapur in den ganz frühen Tagen des Sufismus, deren Anstrengungen darauf konzentriert waren, ihre nafs oder Ego daran zu hindern, jedwede spirituelle Identität für sich zu beanspruchen. Nicht nur schworen sie dem traditionellen Flicken-Mantel der Sufi-Derwische zugunsten gewöhnlicher Kleidung ab, noch weitergehend verbargen sie sogar ihre eigenen spirituellen Zustände vor sich selbst, nahmen sie nach innen, so dass das Ego keinen Zugang dazu hatte und sich nicht aufblähen konnte.

Durch die Übernahme dieser Prinzipien entwickelte der Naqshbandi-Orden eine Art zu lehren, in welcher die spirituelle Entwicklung des Schülers in der Regel vor seinem gewöhnlichen Bewusstsein verborgen ist. Es kann oftmals so aussehen, als ob sehr wenig passiert. Auf diesem Pfad beschäftigen wir uns nicht mit Ritualen oder anderen äußeren Aktivitäten wie Tanzen, Singen oder Chanten. Genauso wenig suchen wir spirituelle Trunkenheit—das ist ein Pfad der Nüchternheit. Anstatt spirituelle Zustände anzuvisieren leben wir unser gewöhnliches, alltägliches Leben, sind mit unserer Familie und unserer Arbeit beschäftigt, während wir unsere innere Aufmerksamkeit immer auf unseren Geliebten richten. Obwohl durch die Naqshbandi-Praxis der „Einsamkeit in der Menge“ („äußerlich mit den Menschen zusammen sein und innerlich mit Gott“) dieser Pfad sich an das westliche Alltagsleben anpassen lässt, kann es für Westler, besonders für Amerikaner, schwierig sein, den spirituellen Prozess zu würdigen, der jenseits des Verstandes in den inneren Welten stattfindet, zu denen sie zunächst wenig bewussten Zugang haben. Es braucht eine echte Verpflichtung, um beharrlich zu bleiben im Angesicht dessen, was nach sehr wenig äußerer Bestätigung aussehen kann. Im Westen neigen wir dazu, nach Resultaten zu schauen.

Und wir erwarten, dass Resultate durch Anstrengung erreicht werden. Insbesondere die amerikanische Kultur, die von der puritanischen Arbeitsethik angetrieben wird, konditioniert uns zu glauben, dass unser Erfolg und Misserfolg in allen Aspekten unseres Lebens als ein Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen entstehen. Das schafft eine andere Schwierigkeit für Amerikaner auf dem Sufi-Pfad. Der Glauben an die Selbstbestimmung ist so beherrschend, dass es innerhalb des amerikanischen kollektiven Bewusstseins fast kein Gewahrsein von der Macht der Gnade gibt.

Aber Gnade ist der Eckpfeiler jeder Sufi-Linie, jeder Gesellschaft der Liebenden Gottes. Wenn wir den Pfad betreten, treten wir ein in die Gnade einer spirituellen Tradition, in der die Macht der Liebe für die Arbeit, die getan werden muss, gegeben wird. Ohne Gnade kann nichts auf dem Pfad geschehen. Wie Rumi uns sagt, können wir durch unsere eigene Anstrengung nicht einmal die erste Station des Weges erreichen. Durch die Gnade geschieht das Wunder der Transformation. Es ist die Gnade, welche die Menschen für die unendliche Kostbarkeit von Gottes grenzenloser Liebe öffnet, die sich so leicht verbirgt, obwohl sie immer gegenwärtig ist. Und Gnade ist in ihrem eigentlichsten Wesen ein Geschenk. Sie fließt von Herz zu Herz in einer Übermittlung von Liebe, und keine Anstrengung wird verlangt. Es kann sehr schwierig für Amerikaner sein, ihr Streben aufzugeben und die Abhängigkeit von etwas anzuerkennen, das jenseits der Reichweite ihrer Anstrengung oder ihres Willens oder sogar ihres Verständnisses liegt.

Es kann für die amerikanische Mentalität auch schwierig sein, die generell widersprüchliche Ideen nicht leicht akzeptieren kann, das Paradox von Anstrengung und Gnade auf dem Sufi-Pfad zu begreifen. Wir sind aufs äußerste von Gnade abhängig; nur Gnade kann uns nach Hause bringen. Und doch benötigt der Pfad unsere Anstrengung. Wie der Sufi al-Karaz (gestorben 1049) sagt: „Wer glaubt, er kann Gott durch seine eigenen Anstrengungen erreichen, müht sich umsonst ab; wer glaubt, er kann Gott ohne Anstrengung erreichen, ist bloß ein Reisender auf der Straße der Absicht.“ Den Pfad zu betreten, auf dem wir unsere völlige Hilflosigkeit und Abhängigkeit von der Gnade anerkennen müssen, während wir gleichzeitig alle Anstrengung aus uns selbst schöpfen, bedeutet eine Welt der Paradoxe und Geheimnisse zu betreten, die den Reisenden jenseits von Vertrautheit und Sicherheit seines rationalen Verständnisses katapultiert. Das ist nicht leicht für Menschen, die so tief von unserer machtvollen westlichen Tradition konditioniert sind.

Aber diese Schwierigkeiten, so herausfordernd sie für den westlichen Schüler auch sein mögen, stehen bei der wirklichen Arbeit des Pfades nicht im Weg. Das Herz des Sufi-Pfades ist nicht begrenzt durch äußere Bedingungen. Ost oder West, die Liebe ist im Kern jedes Sufi-Pfades dieselbe. Wenn einmal die Verbindung zwischen dem sheikh und dem Schüler hergestellt wurde, kann die Arbeit dieser Liebe beginnen.

DIE BEZIEHUNG ZUM LEHRER

Traditionellerweise ist der Sufi sheikh der „Wächter der Tore der Gnade“. Liebe und Gnade sind die Eckpfeiler für die Beziehung zum Lehrer, welche die wichtigste Beziehung für die Schülerin ist. Ohne diese Beziehung gibt es keinen Pfad und keine Reise. Durch die Gnade des Lehrers wird der Schülerin die Liebe und die Führung gegeben, die für die Reise gebraucht werden. Die Schülerin macht Fortschritte durch Liebe, und wenn die Schülerin selbst nicht genügend Liebe besitzt, wird der Lehrer in ihrem Herzen Liebe erschaffen.

Aber die Beziehung zum Lehrer ist wahrscheinlich das paradoxeste und verwirrendste aller Elemente auf dem Sufi-Pfad. Es ist die intimste und doch die unpersönlichste Beziehung, die wir je haben werden. Sie ist die intimste, weil sie im Herzen stattfindet und eine Beziehung reiner Liebe ist. Und doch ist diese Beziehung völlig unpersönlich, weil sie zur Seele gehört; sie hat nichts mit unserem Ego, unserer Persönlichkeit oder der Person zu tun, die wir im Lehrer wahrzunehmen meinen. Da der Lehrer, während er immer noch als Mensch funktioniert, durch die Gnade seines Lehrers leer gemacht worden ist, ist er „eigenschaftslos und formlos“. In der Sufi-Tradition wird vom Lehrer gesagt, dass er „ohne Gesicht, ohne Name“ ist, was die unpersönliche Natur des Lehrers unterstreicht.

Aber im Westen sind wir so konditioniert, dass wir Liebe und Nähe nur im Rahmen von persönlichen Beziehungen verstehen. Wir haben kein Konzept von einer tieferen unpersönlichen Liebe, die zur Seele gehört. Unser Hunger nach persönlicher Akzeptanz, unsere unerfüllten emotionalen und sogar körperlichen Bedürfnisse kommen an die Oberfläche, werden leicht „spiritualisiert“ und in die Beziehung zum Lehrer hinein projiziert. Uns fehlt das traditionelle Gefäß, das diese Beziehung von der persönlichen Sphäre trennt. In vielen östlichen Traditionen kann der Schüler den Lehrer nicht direkt ansprechen. Er muss warten, bis das Wort an ihn gerichtet wird. Im Westen haben wir solche Verhaltensvorgaben nicht.

Darüber hinaus sind alle Beziehungen in Amerika durch eine gewisse Informalität gekennzeichnet—sogar Fremde reden sich mit ihrem Vornamen an. Während also niemand daran gedacht hätte, Bhai Sahib oder Mrs.Tweedie (wie sie genannt werden wollte) beim Vornamen zu nennen, hielten es die Leute in Amerika für passend, mich mit Llewellyn anzusprechen. Und doch bemerkte ich allmählich die Verwirrung, die das stiftete, und das Verlangen, das es nährte, die Beziehung zum Lehrer zu personalisieren. Diese Tendenz wird durch die Tatsache verstärkt, dass die Mehrheit der Menschen, die im Westen vom Pfad angezogen werden, Frauen sind, die von ihrer Natur aus beziehungsfreudig sind und Beziehungen—vielmehr als Männer—in der persönlichen Sphäre erfahren. Und dieses ganze Problem wird für den westlichen Sucher dadurch noch verschärft, dass in unserer Kultur die Tradition der Beziehung zu einem spirituellen Lehrer nicht existiert. In Indien war die Beziehung zu einem Guru immer schon Teil der Kultur, während im Mittleren Osten der Sufi sheikh (wenn er auch manchmal hingerichtet wurde) eine anerkannte spiritueller Autorität war. Aber im Westen war die Beziehung von Meister und Schüler nie Teil unserer spirituellen Landschaft, obwohl sie im Leben von Jesus sichtbar ist. Zudem haben wir keine Erfahrung in unserer eigenen Kultur, auf die wir zum Verständnis ihrer wirklichen Natur zurückgreifen könnten oder die uns zeigen könnte, wie wir uns selbst in dieser Beziehung verhalten sollen.

Die Liebe, die vom sheikh kommt, ist rein und bedingungslos. Sie ist frei von allen Mustern oder Problemen, die unser normales Verständnis von Beziehungen definieren. Diese Liebe gehört nicht zur Dualität und zu den normalen Dynamiken, die wir mit einer Beziehung assoziieren. Sie gehört zur göttlichen Einheit und ist im Herzen des sheikh von Beginn an gegenwärtig. So wie Bhai Sahib es Irina Tweedie gegenüber beschrieb:

„Der Lehrer hat nicht einmal mehr und einmal weniger Liebe. Für ihn sind der allererste Anfang und das Ende ein und dasselbe; es ist ein geschlossener Kreis. Seine Liebe für den Schüler wächst nicht erst. Beim Schüler ist das natürlich anders; der muss den Kreis erst vollziehen....Je weiter der Schüler voranschreitet, desto näher fühlt er sich im Laufe der Zeit dem Meister. Doch der Meister ist gar nicht näher; er war immer schon so nah, nur der Schüler wusste es nicht.“(18)

In die Präsenz des sheikh einzutreten bedeutet, dass die Weggefährtin diese Dimension der Einheit der Liebe betritt. Jedoch weiß sie das nicht; sie hat noch nicht die Fähigkeit entwickelt, zu erkennen oder bewusst zu würdigen, was gegeben wird. Stattdessen bleibt sie in dem Gefängnis ihrer Projektionen, mentalen Konditionierungen und psychologischen Problemen, die notwendigerweise auf die Beziehung zum Lehrer projiziert werden.

Liebe erweckt sowohl positive wie negative psychologische Projektionen. Und wie jeder weiß, der eine menschliche Liebesaffäre erfahren hat: Je größer die Liebe ist, desto mächtiger sind die Projektionen—desto mehr rufen die ungelebten Teile unserer Psyche lautstark nach Beachtung und möchten in das Sonnenlicht unserer Liebe geholt werden. Die vom sheikh bedingungslos gegebene Liebe wird notwendigerweise viele Projektionen hervorrufen—viele von ihnen sind unerwartet und unerwünscht und gehen einher mit vielen unerfüllten Bedürfnissen. Wenn einmal die anfängliche „Flitterwochen-Zeit“ der Trunkenheit vorbei ist, wird die Schülerin dazu gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. Und weil der sheikh auch eine Autoritätsperson ist, werden die ungelösten Autoritätsthemen auch an die Oberfläche kommen und die Wolke der Verwirrung vergrössern, welche die wahre Natur der Beziehung zum Lehrer verdunkelt—und damit die Liebe, die die Essenz des Sufi-Pfades ist.

Für den sheikh ist diese Liebe die prima materia des Pfades, sowohl der Anfang als auch das Ende der Arbeit. Durch die Liebe wird die Schülerin von Unreinheiten befreit und neu erschaffen, so dass sie ihre tiefste Natur, ihre angeborene Nähe zu Gott, leben kann. Während die Schülerin sich mit den Hindernissen auseinandersetzt, die ihr der Verstand und ihre Psyche in den Weg stellen, leistet der sheikh die wirkliche Arbeit der Transformation, indem er das Herz weich macht und die Schülerin auf das Erwachen des Bewusstseins des Herzens vorbereitet, des göttlichen Bewusstseins, das in der innersten Kammer des Herzens, die von den Sufis „das Herz der Herzen“ genannt wird, gegenwärtig ist. Vieles in dieser Arbeit ist ein Vorbereitungsprozess, eine innere Reinigung, um die Schülerin in die Lage zu bringen, dieses Bewusstsein ohne die Verschmutzung durch das Ego oder die niedere Natur, die nafs, zu halten.

Wenn der sheikh den Hinweis erhält, dass die Schülerin bereit dazu ist, wird das Bewusstsein des Herzens in der Schülerin durch die Gnade des sheikh erweckt—durch eine Übertragung vom Herzen des sheikh zum Herzen der Schülerin. Dieses Einflößen göttlicher Liebe ist das Geschenk von sirr: „Eine Substanz von Gottes Gnade, hervorgebracht nicht durch eine Errungenschaft oder Handlung des Menschen, sondern durch die Freigiebigkeit und Gnade Gottes.“(19) Das Wort „sirr“ bedeutet Geheimnis. Sirr ist eine geheime Substanz, die vor der Welt verborgen ist, weil sie nicht zur Welt gehört, sondern zum Mysterium göttlicher Liebe. Es ist die Essenz der Beziehung zwischen Liebendem und Geliebten: „Er liebt sie und sie lieben Ihn.“(20) Ohne sie kann es keine Verwirklichung geben. Für die Sufis ist sirr die kostbarste Substanz des Universums.

Nur der Lehrer kann uns das geben, was wir brauchen. Dies ist das wertvollste Geschenk—und dennoch kann das, was gegeben wird, nicht von unserem Verstand oder Ego erfasst werden. Durch die Gnade des sheikh erwacht die Schülerin schließlich zum Bewusstsein der Einheit—das ist das Wissen der Liebe. Aber für viele Jahre auf dem Pfad ist dieses Bewusstsein verborgen vor der Schülerin, die mit den Begrenzungen des Ego konfrontiert ist und den Verwirrungen der Psyche. Die Schülerin kann nicht anders als den Lehrer durch die Schleier der Dualität und die Verzerrungen der eigenen Projektionen zu sehen; sie kann nicht anders als die Beziehung, die zur unpersönlichen Ebene der Seele gehört, in die persönliche Landschaft ihres Ego zu bringen. Das ist es, was es so schwierig macht, dieser Verbindung der Liebe zu folgen, diesem Faden, der so dünn erscheint. Aber wenn wir mit Ernsthaftigkeit, Hingabe, Durchhaltevermögen und einem Sinn für Humor folgen, werden wir zur wahren Natur dieser verwirrendsten und mächtigsten aller Beziehungen erwachen. Wir werden erfahren, wie das Herz des sheikh die Einheit des verborgenen Gesichts der Liebe reflektiert.

WEIBLICHE QUALITÄTEN AUF DEM PFAD

Sufismus ist ein Pfad der Liebe und der Sehnsucht, die uns in die Tiefen des Herzens zieht. Sehnsucht ist eine wesentliche Note auf dem Sufi-Pfad, es ist die weibliche Seite der Liebe: der Kelch, der darauf wartet, gefüllt zu werden. Sehnsucht zieht den Reisenden nach innen, um die Hingabe des Herzens zu leben. Vielleicht liegt es daran, dass so viele Frauen im Westen vom Pfad angezogen sind. Sie sind von diesem Mysterium der Sehnsucht, diesem Pfad der Hingabe, fasziniert, weil sie darin einen intimen Teil ihrer eigenen Natur wiedererkennen. In der amerikanischen Kultur sind besonders die Qualitäten des Weiblichen—oftmals brutal—geleugnet und unterdrückt worden. Obwohl der Anschein sexueller Gleichstellung in Amerika aufrecht erhalten wird, gibt es in dieser sehr männlichen und extrovertierten Kultur wenig wirkliche Anerkennung für das Weibliche, seine Macht und inneren Qualitäten. In der Tat sind in Amerika die tieferen Aspekte des Weiblichen fast vollständig aus der kollektiven Landschaft entfernt worden.

Als ich damit begann, in Amerika zu arbeiten, war es vielleicht deswegen nicht überraschend, dass ich trotz dieser starken Resonanz für das Weibliche beim Sufi-Pfad bei den Frauen, die zu diesem Pfad kamen, eine tief sitzende Angst wahrnahm, ihre Sehnsucht zuzulassen und sich ihrer Intimität des Herzens zu öffnen. Sie waren sich unsicher darüber, Träume und Erfahrungen mitzuteilen, welche die innere Intimität des Pfades und die Liebesaffäre des Herzens ausdrückten. Eine kollektive Prägung durch Missbrauch und Zurückweisung des Weiblichen hatte eine Wunde geschaffen, die die Frauen zurückhielt. Wir reagierten darauf und schufen einer Frauengruppe, in der Frauen diese Themen erforschen konnten—ohne die durch die Gegenwart von Männern verursachten Hemmungen. Allmählich, nach ein paar Jahren, fühlten sich die Frauen instinktiv sicher genug, um gegenwärtig, offen und verletzlich zu sein, und es bestand das Bedürfnis nach einer Frauengruppe nicht länger.

Die anfängliche Arbeit, den Pfad nach Amerika zu bringen, war abgeschlossen: Für die wirkliche Arbeit der Seele war ein Gefäß für Frauen geschaffen worden. Das war ein wichtiger Schritt, da mir immer mehr bewusst wurde, wie essentiell diese für das Weibliche ganz natürlichen Qualitäten sind, um die Sehnsucht des Herzens nach Gott zu leben. Damit die Arbeit des Pfades wirklich Wurzeln in dieser männlichen Kultur schlagen kann, müssen die weiblichen Mysterien des Liebe—die Heiligkeit der Sehnsucht, die Empfänglichkeit des Herzens, der Weg der Hingabe—zurückgewonnen und geehrt werden.

Frauen haben eine natürliche Affinität zu dieser Arbeit, da Frauen um die Weisheit der Empfänglichkeit und das Halten eines heiligen Raumes wissen. Durch das Wunder der Schwangerschaft erfahren sie dies in ihrem Körper. Aber das heilige Weibliche weiß auch, wie dies innerhalb der Seele funktioniert: wie das Herz immer wach bleibt, auf den Geliebten wartend und sich nach Ihm sehnend, für den Moment, in dem die Liebe heimlich und süß kommt: wie Liebe und Sehnsucht innerhalb des Herzens einen Raum schaffen, damit das Göttliche geboren werden kann. Dann wird das Herz „Licht über Licht“, so wie Rumi das beschreibt: „eine wunderschöne Maria mit Jesus im Schoß“,(21) welche mit der Zeit das Göttliche als eine lebendige Gegenwart in uns und in unserem Leben gebären kann.

Frauen verstehen auch die Wichtigkeit von Stille, von einfachem Sein. Denn wie können wir empfänglich sein, wenn wir die ganze Zeit geschäftig sind? Im Westen sind wir süchtig nach Aktivitäten. Wir denken, dass die Probleme der Welt und unsere nur dadurch gelöst werden können, indem wir losgehen und etwas tun, ohne zu erkennen, dass genau dieser Fokus auf unablässige Aktivität viel zu unserer gegenwärtigen schlimmen Lage beigetragen hat. Wenn wir nicht mit unseren Problemen beschäftigt sind, sind wir gefangen in einem endlosen Kreislauf zerstreuender Aktivitäten, eine Geschäftigkeit um ihrer selbst willen. Als Reaktion auf alles fragen wir automatisch: „Was soll ich tun?“ Aber das Weibliche weiß zu fragen: „Wie soll ich sein?“, da es versteht, dass wir von einem Zustand des stillen Seins aus zuhören, aufmerksam und bewusst sein können. Wir können aufnehmen, was das Leben uns zeigt, sowohl in uns als auch um uns herum—„Wir werden ihnen Unsere Zeichen an den Horizonten und in ihnen selbst zeigen, bis ihnen klar geworden ist, dass Er der Wirkliche ist.“(22)

Genau wie eine Mutter instinktiv weiß, wie sie ihren Kindern zuhören muss, genauso weiß das heilige Weibliche, wie dem Leben innerlich und äußerlich Gehör geschenkt wird, um dieses heilige Mysterium, dessen Teil wir sind, zu erfahren und daran teilzunehmen. Das ist die Basis einer wirklichen Beziehung zum Leben und zu unserer Seele; so können wir lernen, das Leben der Seele zu leben anstatt das illusionäre Leben des Ego. Das Leben ist ein direkter Ausdruck des Göttlichen, aber bevor wir nicht dieser verborgenen Gegenwart zuhören, erfahren wir nur die Ablenkungen der nafs mit all den Begierden und Ängsten. Wenn wir nach innen lauschen, hören wir, was der Geliebte uns erzählt. Wir erfahren die Geheimnisse, die Er uns in unser Herz und unsere Seele flüstert. Wir lernen auch zu unterscheiden zwischen der Stimme des Ego und der Stimme des Selbst: um für den Hinweis des Geliebten aufmerksam zu werden und gleichzeitig wachsam für die Täuschungen des Ego zu sein.

Das Leben und die Seele winken uns immer zu, da sie uns am wirklichen Wunder des Lebendigseins teilhaben lassen wollen. Wenn wir wirklich zuhören, kann unser äußeres und inneres Leben zu uns sprechen und kann uns auf eine Reise weit über die begrenzte Welt des Ego hinaus mitnehmen. Wir können beginnen, die göttlichen Mysterien der Liebe in unseren Herzen und in der Welt um uns herum zu entdecken. Die Mysterien der Liebe sind von ihrer Natur her weiblich, genauso wie die Natur der Seele weiblich ist, da sie zu Gott schaut—immer aufmerksam und empfänglich. Wir müssen diese weiblichen Qualitäten, die in der amerikanischen Kultur so sehr entwertet wurden, zurückgewinnen, ihre essentiellen Wert erkennen und sie zurück in unser Leben bringen.

AUTORITÄT UND MACHT

Sufismus ist ein Pfad der Liebe, aber er hat auch den Aspekt der Macht und der spirituellen Autorität. Das stellt eine weitere Schwierigkeit für Amerikaner auf dem Pfad dar. Amerika ist von Natur aus demokratisch. Es gibt wenig kollektives Verständnis hier—sogar ein großes Maß an Misstrauen—gegenüber wirklicher spiritueller Autorität und Macht. Zusätzlich zur demokratischen Konditionierung haben die Jahrhunderte lange Dominanz männlicher Hierarchien im Westen und deren Machtmissbrauch viele Suchende verständlicherweise Macht gegenüber zurückhaltend werden lassen. Besonders bei Frauen gibt es nach Jahrhunderten des Missbrauchs eine tiefe Angst und ein tiefes Misstrauen männlicher Autorität gegenüber. Aber sich der Macht und der inneren Autorität des Lehrers zu fügen ist ein essentieller Aspekt der Art und Weise, wie wir geschult werden, um uns vor Gott zu verneigen. Denn wie können wir Seine Diener werden, wenn wir nicht geschult sind, das zu tun, was uns gesagt wird? Wenn wir gebeten werden etwas zu tun, und wir zögern auch nur für einen Augenblick, kann der Moment verloren sein.

Als ich Irina Tweedie traf, wusste ich sofort, dass ich in der Gegenwart wirklicher spiritueller Macht war, genauso wie sich etwas in ihr instinktiv verneigte, als sie ihrem sheikh zum ersten Mal begegnete. Ich wusste mit einem Wissen, das keiner äußeren Logik folgte, dass ich tun musste, was auch immer mir gesagt wurde. Viele Jahre dachte ich, dass sie meine Lehrerin sei, bis sie mir erklärte, dass ich zu ihrem sheikh, Bhai Sahib, gehörte, und dass ihr, als ich zum ersten Mal in die Gruppe kam, in der Meditation gesagt wurde, mich alleine zu lassen—er würde auf mich aufpassen. (Diese Verbindung mit einem Lehrer, der keinen physischen Körper mehr hat, ist als uwaysi bekannt und ist Teil der Naqshbandi-Tradition.)(23)

Ich wurde von meinem sheikh auf die uralte Methode von Prüfungen und Liebe geschult, in der der Schüler „weniger als der Staub zu den Füßen des sheikh“ wird. Es gab zum Beispiel eine zweijährige Periode, als ich Anfang zwanzig war, in der er mich nicht länger als drei Stunden pro Nacht schlafen ließ, was meine Muster des Widerstands und der spirituellen Arroganz mit dem einfachen—aber sehr effektiven—Mittel der Erschöpfung zerstörte. An einem Sommernachmittag schließlich, in den intensivsten Stunden meines Lebens, war ich dem tiefsten Leiden meines ganzen Wesens ausgesetzt, bis er in einem Moment der Offenbarung mein Bewusstsein auf der Ebene der Seele erweckte. Allmählich über die folgenden Jahre hinweg wurde mir die Tiefe meiner Zugehörigkeit zu ihm bewusst und mir wurde deutlich, dass ich hier bin, um ihm zu dienen, und dass ich geschult worden bin, seinem Geheiß zu folgen. Er führte mich mit Freundlichkeit und Strenge. Einmal, als meine Kinder jung waren und ich ständig das Haus hinter ihnen aufräumte, kam seine Stimme freundlich zu mir: „Du musst nicht andauernd aufräumen!“ Bei einer anderen Gelegenheit, als ich intensiv unter der Erweckung meiner Kundalini-Energie litt,(24) fragte Mrs. Tweedie Bhai Sahib, ob er mir helfen könne. Seine Antwort war einfach: „Er kann es ertragen.“

Meine Beziehung zu meinem sheikh ist eine der totalen Unterwerfung und Liebe, die auf der Erkenntnis beruht, dass nichts in dieser Welt zählt, außer seine Arbeit zu tun und ihn zufrieden zustellen. Ich lernte ihn als eine innere Präsenz kennen, als jemanden, an den ich mich in der Meditation und im Gebet wenden konnte, dessen Hilfe gegenwärtig war, wenn ich sie am meisten brauchte. Und doch schien er über die Jahre mich oft alleine zu lassen, um mich mit meinen Schwierigkeiten ringen und mich Fehler machen zu lassen. Ich habe die Verwüstung der Leere und Trostlosigkeit erlebt, wenn diese Verbindung verhüllt war, und die Seelenqualen, wenn ich ihm missfallen hatte, wenn ich spürte, dass ich meinen sheikh im Stich gelassen hatte. Aber ich habe erfahren, dass diese Beziehung dieser eine Faden der Liebe ist, den die Welt nicht zerreißen kann, weil er aus einer anderen Substanz gemacht ist, die stärker ist als alle Schwierigkeiten dieser Welt. Diese Beziehung gehört zu dem uralten Geheimnis der Liebe und der Hingabe, einer Zugehörigkeit, die so ursprünglich ist, dass sie vor der Schöpfung existiert hat. Sie ist Teil der Substanz der Seele und verleiht jedem Moment an jedem Tag Sinn.

Durch diesen Faden der Liebe gehalten, dieser Verbindung von Herz zu Herz, wurde mir eine so vollständige Liebe gegeben, dass jede Zelle des Körpers erfüllt wurde und ich die Seligkeit der Seele erfuhr. Ich wurde von der Welt der Dualität zurück zur Einheit des Herzens gebracht und darüber hinaus in die Dimensionen des Nicht-Seins, der Leere, die das wahre Zuhause des Mystikers ist. Mir wurden die unendlichen inneren Räume gezeigt, wo die Liebe geboren wird, und eine Qualität des Bewusstseins, die zu Licht über Licht gehört. Nach uralter Tradition wurde ich zerstört und wieder erschaffen, so dass ich meinem sheikh und dem Geliebten zu Diensten sein kann. Als ich zum Pfad kam, war ich ein arroganter 19-jähriger, der ein paar Erfahrungen in Meditation hatte und dachte, alles über das spirituelle Leben zu wissen. Aber ohne es zu wissen wurde ich von einem großen Meister übernommen, der mich Demut und die Einfachheit wirklichen Dienens lehrte. Er öffnete mein Herz und erweckte mich zur Erkenntnis der Einheit des Lebens, die uns überall umgibt. Und er führte mich mit Humor, Geduld und Liebe, um meine Fehler wissend und mich akzeptierend.

Durch diese Beziehung habe ich auch die wirkliche Macht kennengelernt, die zu Gott gehört und zu denen, die im Dienst Gottes stehen. Im äußeren Leben sehen wir oft die Machtdynamiken, mit denen sich die Menschen beschäftigen und die sich um uns herum abspielen, in der Familie oder am Arbeitsplatz oder—noch korrupter—auf der Weltbühne. Aber in der Beziehung mit einem wahren Lehrer, einem, der mit dem Absoluten verschmolzen, der mit Gott eins ist, gibt es eine Macht einer völlig anderen Größenordnung. Eine Macht, die zum Schöpfer gehört und nicht zur Schöpfung. Diese Macht will nichts für sich selbst, sondern ist einfach. Wenn ich diese Macht innerlich erfahre, durch die Präsenz meines sheikh, zittert mein ganzes Wesen und verneigt sich. Wenn Leute im Hinblick auf einen spirituellen Lehrer von Machtdynamiken sprechen, lacht etwas in mir, denn dann ist klar, dass sie keine Ahnung haben, was wahre spirituelle Macht ist. Der Schüler diskutiert oder zweifelt nicht im Angesicht einer solch puren Energie. Die einzige Reaktion ist Ehrfurcht.

DIE ARBEIT DER AWLIYA UND DIE SEELE DER WELT

Hinter jedem Lehrer steht eine Kette spiritueller Meister, von denen jeder durch jene, die ihnen vorausgegangen sind, unterstützt und geführt werden. Verantwortlich für die Seele eines Reisenden zu sein, ist eine der größten Verantwortungen, die zu tragen jemand gebeten werden kann, und ohne die innere Präsenz meines sheikh könnte ich niemanden führen. Er passt auf mich auf und konfrontiert mich mit jedem Fehler, den ich vielleicht mache. Diese verborgene Dimension des Pfades ist im Westen kaum bekannt, wo nur das, was sichtbar ist, wahrgenommen wird—aber es ist ein essentieller Aspekt des Sufismus.

Auf dem Naqshbandi-Pfad ist die Kette der vorausgegangenen Lehrer verbunden mit der Tradition der Khwajagan (Meister), einer Anzahl früherer Naqshbandi sheikhs, deren spirituelle Macht und Autorität sogar in der äußeren Welt, manchmal bei weltlichen Führern und Königen, anerkannt war. Der Naqshbandiyya wurde bekannt als „der Pfad der Meister“.

Die Khwajagan waren im Mittleren Osten vom elften bis zum fünfzehnten Jahrhundert sichtbar. Sie hatten Zugang zu inneren spirituellen Kräften, aber ein weiteres Geheimnis ihres Erfolges und Einflusses war ihre unbeirrbare Ablehnung jedweder weltlichen Position von Reichtum und Macht. Ihr Einfluss basierte auf der Liebe, die sie in jedem auslösten, der ihnen begegnete.(25) Ab dem sechzehnten Jahrhundert wurde ihr Einfluss weniger sichtbar, aber die Arbeit und Autorität dieser Linie der Naqshbandi-Meister setzte sich in den inneren Welten fort, wo sie mit der Sufi-Tradition der awliya verbunden werden kann.

Die awliya sind die Freunde Gottes, eine spirituelle Hierarchie, die aus einer festgelegten Anzahl von hoch entwickelten inkarnierten Wesen besteht, die über die Welt wachen. An der Spitze der Hierarchie steht der Pol (qutb), „der Meister der Freunde Gottes“, der die Achse ist, um die sich das äussere und das innere Universum drehen. Unter dem Pol kommen die sieben Pflöcke, unter ihnen dann die vierzig Nachfolger (al-abdâl).(26) Wenn einer dieser Freunde Gottes stirbt, wartet ein anderer darauf, seinen Platz einzunehmen, so dass die Anzahl der Freunde immer aufrechterhalten bleibt. Ohne die awliya könnte die Existenz und das Wohlergehen der Welt nicht aufrechterhalten werden.

Über die letzten Jahrhunderte hinweg waren die awliya verborgen; doch ihre spirituelle Arbeit ist ungestört weitergegangen. Aber die Existenz einer spirituellen Hierarchie, die für die Aufrechterhaltung des Wohlergehens der ganzen Welt arbeitet, ist ein Teil des spirituellen Bewusstseins im Osten geblieben. Im Westen hingegen haben wir den spirituellen Pfad fast ausschließlich mit dem Prozess der individuellen Transformation identifiziert und haben wenig Verständnis von seiner größeren, globalen Dimension.

Traurigerweise ist im Westen viel vom Verständnis des spirituellen Lebens durch die Werte des Ego untergraben worden. Nur allzu oft sehen wir das spirituelle Leben ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Selbstentwicklung, des Verlangens nach Fortschritt, der Selbstermächtigung oder des Erreichens von spirituellen Zuständen. Wir übersehen völlig das Grundprinzip, dass es beim Pfad nie um uns geht, um unser individuelles oder spirituelles Wohlergehen. Spirituell reif zu sein bedeutet, dass wir an uns nicht für unser eigenen Nutzen arbeiten, sondern um des Dienens willen: unserem Geliebten und der Gesamtheit des Lebens zu dienen—in der Einheit Seiner Liebe gibt es keinen Unterschied.

Um vollständig das Erbe des Sufismus und der Tradition der awliya, der Meister der Liebe anzutreten, müssen wir unsere beschränkte Sichtweise des Pfads aufgeben und erkennen, dass es tiefere Ebenen der Verpflichtung und des Dienens gibt, als es uns in unserem Streben nach unseren eigenen privaten spirituellen Zielen bewusst ist. Traditionellerweise schauen Seine Liebenden und die Freunde Gottes nach dem Wohlergehen der Welt, die „fortwährend über die Welt und für die Welt wachen“. Spirituelle Gruppen und Individuen haben schon immer diese Arbeit unterstützt, indem sie in den inneren Reichen arbeiten, um Liebe und Licht dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Durch ihre Gebete, Andachten und andere Praktiken arbeiten sie daran, manchmal bewusst, aber noch öfter unbewusst, ihr Licht verfügbar zu machen. Das Bewusstsein des Reisenden ist traditionellerweise nicht notwendig für diese Arbeit. Auf der Ebene der Seele findet viel spirituelle Arbeit statt, die selbst bei denen, die daran beteiligt sind, nicht ins Alltagsbewusstsein vordringt. Es ist schwierig für den Verstand, Ebenen der Realität jenseits seiner unmittelbaren Wahrnehmung zu erfassen, und oftmals ist es für das Ego das Beste, nicht zu wissen, was wir tun.

Jedoch in dieser Zeit globaler Krisen, die auch eine Zeit globaler Transformation ist, braucht es spirituell wache Individuen, die bewusst an dieser globalen Dimension spiritueller Arbeit teilnehmen. Im Westen haben wir spirituelle Arbeit zu begrenzt mit unserer inneren Reise oder äußeren Handlungen des Dienens identifiziert. Wir müssen wissen, dass wir ein Teil des Netzwerkes von Mystikern und Meistern der Liebe sind, die der Welt helfen, mit der Liebe lebendig zu werden, indem sie auf den inneren Ebenen arbeiten, um die Welt zu erlösen, die durch unser Vergessen entweiht worden ist.

Denn die Welt ist ein lebendiges Wesen, das ein Bewusstsein und eine Seele besitzt. Die Seele der Welt, die anima mundi, ist das spirituelle Zentrum der Welt, ein sich drehender Organismus aus Licht und Liebe, der im Kern der Welt existiert. Ohne sie wäre die Welt nichts weiter als schattenhafte Bilder ohne Zweck und Sinn. Genauso, wie das Licht unserer eigenen Seele Sinn in unser Leben bringt und eine Abkehr von den Bedürfnissen unserer Seele Leere und Verzweiflung zur Folge hat, macht die Seele der Welt die Welt heilig und unsere Misshandlung der Welt schafft sowohl ein äußeres wie ein inneres Ödland. Unser obsessiver Materialismus und die Gier, die er hervorgebracht hat, haben die Seele der Welt in eine Wolke des Vergessens gehüllt, verschmutzen unseren physischen Planeten und entziehen dem Leben die Freude und den heiligen Sinn.

In diesem Moment der Krisen und Möglichkeiten in der Evolution der Welt wurde es zu einem Teil der Arbeit des Naqshbandi-Pfades, an der Arbeit der Wiedererweckung der Seele der Welt mit unserer Bewusstheit mitzuwirken, sie zu läutern und zu erlösen, damit das Licht wieder in das Leben fließen und die ganze Schöpfung nähren kann. Was bisher die Arbeit der Meister hauptsächlich auf den inneren Ebenen war, an der die Suchenden meistens ohne ihr Wissen beteiligt waren, wird nun auch zu unserer bewussten Ausrichtung. Die Reisenden müssen ihre Rolle in dieser Arbeit erkennen und akzeptieren: nämlich sich von ihrer Ausrichtung auf ihre eigene spirituelle Reise abzuwenden und ihr spirituelles Leben und ihre spirituelle Erfahrung dem Wohl der Welt zu widmen. Durch unsere spirituelle Praxis bekommen wir Zugang zu unserem göttlichen Licht. Durch die Lehren des Pfades lernen wir, es in unserem alltäglichen Leben zu leben. Jetzt müssen wir durch die innere Arbeit mit den Meistern lernen, bewusst unser Licht um der Welt willen zu benutzen—unser Licht dort leuchten zu lassen, wo es gebraucht wird, und mit dem Lichtkörper zu arbeiten, der die Seele der Welt ist.

Die Seele der Welt ist überall. Genauso wie die Seele des Individuums innerhalb des Körpers überall gegenwärtig ist, durchdringt die Seele der Welt jede Zelle der Schöpfung. Sie ist aus dem Licht der Seelen der gesamten Menschheit gemacht und einer Substanz, die zum eigentlichen Wesen des Planeten gehört. Sie kommt sowohl durch uns in die Existenz—in gewisser Hinsicht ist sie das Licht der Menschheit, sowohl individuell als auch kollektiv—als auch durch den physischen Körper des Planeten, obwohl sie nicht zur physischen Dimension gehört. Sie ist vollständig lebendig auf den inneren Ebenen, in einer Dimension, wo ihr Licht klar sichtbar ist, aber sie ist auch die lebendige, heilige Essenz der physischen Welt, die wir kennen—lebendig in jeder Zelle der Schöpfung.

In den inneren Welten wird das Licht der Weltseele von den Meistern der Liebe geführt. In der äußeren Welt braucht es unsere bewusste Aufmerksamkeit. Und weil ihr Licht nicht etwas anderes ist als unser Licht, können wir zu ihr Zugang durch das Licht unserer eigenen höheren Natur bekommen—was bedeutet, dass wir überall, wo wir sind, in jeder Situation, zu ihr Zugang haben. Indem wir durch Aufmerksamkeit und Erinnerung mit unserem eigenen Licht arbeiten, kann unser höheres Bewusstsein direkt am Licht des Ganzen teilhaben und wir können einen direkten Beitrag zur Art und Weise leisten, wie das Licht sich um den Planeten bewegt. Und wenn das Licht der Seele der Welt anfängt zu fließen, kann es der Menschheit unser göttliches Potential und den tieferen Sinn des Lebens enthüllen. Es gibt spezielle Wege, wie wir lernen können, damit zu arbeiten—Wege für das Licht, um mit der Dunkelheit der Welt zu interagieren und ihre Dunkelheit zu transformieren, um versteckte Qualitäten innerhalb der Menschheit zu enthüllen und das Leben zu seiner magischen und wundervollen Natur zu erwecken. Es ist dieses Licht, das die Schöpfung transformieren und das den Geliebten in Seiner Welt wieder willkommen heißen kann.

Alle, die für diese Arbeit offen sind, werden gebraucht, um daran mitzuwirken—und jeder von uns kann auf seine eigene Weise dazu beitragen, ganz unserer Natur entsprechend. Aber Teile der Arbeit können nur von Frauen getan werden. Sie tragen die heilige Substanz des Lebens in ihren spirituellen Zentren. Ohne dieses Licht könnte eine Frau nicht schwanger werden und gebären, könnte sie nicht im größten Mysterium mitwirken, eine Seele ins Leben zu bringen: indem sie dem spirituellen Licht einer Seele eine physische Form aus der Substanz ihres eigenen Körpers gibt. Frauen wissen instinktiv, wie Geist in die Materie gebracht und das spirituelle Potential der Materie erweckt wird.

Das Erwachen der Seele der Welt ist auch ein Erwachen zur wechselseitigen Verbundenheit des ganzen Lebens und zu dem im Leben innewohnenden Heilungspotential, das durch seine wechselseitigen Beziehungen wirkt. Frauen tragen eine spirituelle Verbindung zum Leben in sich, die in Männern nicht präsent ist, und verstehen das Leben instinktiv in seiner Gesamtheit als lebendiges Netz von Beziehungen und Verbindungen, durch welche die Lebensenergie fließt. Sie tragen diese Verbindungen auf eine Art und Weise in ihren physischen und spirituellen Körpern, die Männern fremd ist. Die natürliche Ausrichtung von Frauen auf das Göttliche, wie es sich durch das ganze miteinander verwobene, lebendige Geflecht der Schöpfung manifestiert, ist ganz wesentlich für die Heilung und Transformation des Lebens, und nur Frauen können diese Dimension zur Arbeit beitragen.

Frauen müssen ihre wahre spirituelle Natur und das transformative Potential erkennen, das sie in sich tragen, damit sie es dem Leben wieder darbringen können—denn ohne dieses Licht wird die Welt langsam sterben. Frauen tragen in sich das Licht, das die Spaltung zwischen Materie und Geist heilen kann, die soviel Schaden verursacht hat und welche die physische Welt zum Vergessen ihrer heilige Natur und ihrer Fähigkeit, sich zu transformieren und zu heilen, gebracht hat. Das Leben selbst hat sich in den missbrauchenden Gedankenformen des Männlichen verfangen, die das Weibliche verleumden und es durch Macht zu dominieren versuchen. Das Licht in Frauen wird dazu benötigt, um das Leben von diesen Beschränkungen und Misshandlungen zu befreien und um die Materie wieder mit ihrem spirituellen Potential zu verbinden. Für eine Frau können physische und spirituelle Welten niemals getrennt sein. Sie trägt das Licht der Welt in den Zellen ihres Körpers; ihre Sexualität ist eine heilige Gabe an die Göttin. Aber sie muss bewusst dieses göttliche Potential und das tiefe Wissen erkennen, so dass sie sie im Dienst am Leben und dem Bedürfnis der Zeit entsprechend leben kann. Die Welt braucht die Gegenwart von Frauen, die zu ihrem spirituellen Licht erwacht sind und die mit der Substanz des Lebens arbeiten können, um es zu heilen und zu transformieren.

In der Arbeit mit der Seele der Welt werden wir von innen von den awliya geleitet, den Meistern der Liebe, aber wir alle müssen Verantwortung für unser eigenes Licht übernehmen, um unser Licht in unser Leben und die Welt zu bringen. Wir müssen über unsere eigene individuelle Reise hinaus blicken und unser Licht zur Heilung und zur Transformation der Welt anbieten. Wenn wir einmal erkannt haben, dass unser eigenes Licht ein Teil des Lichtes des Ganzen ist, werden wir in der Lage sein, vollständiger an dieser Arbeit der Mit-Schöpfung der Zukunft teilzunehmen, indem wir der Welt helfen, von ihrem Albtraum des Vergessens aufzuwachen, so dass sie ihre göttliche Natur erinnern und feiern kann.

DIE ARBEIT DES PFADES

Der Naqshbandi-Pfad der Meister ist wie ein Fluss, der manchmal sichtbar, manchmal im Untergrund verborgen ist. Der Pfad taucht da auf, wo er gebraucht wird, wo spirituelle Arbeit getan werden muss. Obwohl die äußere Form sich wandeln mag, bleibt seine innere Essenz unverändert. Es ist ein spirituelles System, das dazu entworfen wurde, den Menschen zu transformieren, um uns zu unserer göttlichen Natur zu erwecken und uns zu lehren, wie dies, entsprechend den Bedürfnissen der Zeit, im Dienst an unserem Geliebten gelebt werden kann.

Auf dem Pfad gibt es viele verschiedene Formen spiritueller Arbeit. Innere Läuterung ist eine wichtige vorbereitende Arbeit, welche die Veränderung unserer Verhaltensmuster und die Befreiung von den Haltungen und Reaktionen mit einschließt, die unsere Bestrebungen beeinträchtigen. Psychologische innere Arbeit ist Teil dieses Prozesses—sich mit dem „Schatten“ auseinanderzusetzen, den unterdrückten, abgelehnten, uneingestandenen Teilen unserer Psyche; unsere Wunden zu akzeptieren und psychologische Dynamiken und Konditionierungsmuster zu transformieren. Durch spirituelle Arbeit entwickeln wir auch die Qualitäten, die wir für den Pfad brauchen, zum Beispiel Selbstdisziplin, Mitgefühl, Geduld und Durchhaltevermögen. Insbesondere lernen wir die weiblichen Qualitäten der Empfänglichkeit, des Zuhörens und der inneren Aufmerksamkeit wertzuschätzen. Durch die Arbeit mit unseren spirituellen Praktiken wie Meditation und Erinnerung lernen wir, den Verstand zu beruhigen und aufmerksam für die Bedürfnisse des Göttlichen in unserem inneren und äußeren Leben zu sein. Wir lernen auch, unsere negativen Eigenschaften zu meistern, wie Wut, Gier, Eifersucht und vorschnelles Verurteilen. Durch diese Arbeit sind wir besser in der Lage, uns selbst auf unsere höhere Natur auszurichten und ihre Qualitäten in unserem täglichen Leben zu leben. Wir bringen unsere Selbstlosigkeit, Bewusstheit, liebevolle Güte, Unterscheidungsvermögen und andere Qualitäten in unsere Familie und den Arbeitsplatz und transformieren sowohl uns als auch unsere Umgebung. Entsprechend unserer höheren Prinzipien inmitten der äußeren Welt mit ihren Ablenkungen und Anforderungen zu leben ist eine Vollzeit-Beschäftigung.

Die spirituelle Reisende gibt sich ihrer inneren Arbeit und dem äußeren Dienst hin. Die Sufis sind bekannt als die „Sklaven des Einen und Diener der vielen.“ Wir leisten unseren Beitrag zum äußeren Leben, auf welche Weise auch immer wir dazu gerufen werden, ob durch die einfachen Handlungen liebevoller Güte oder einer genauer definierten Beschäftigung, die denen hilft, die bedürftig sind. Wir lernen, immer aufmerksam für die Bedürfnisse unseres Geliebten zu sein, in welcher Form auch immer Er erscheint.

Und es gibt auch eine andere Dimension spiritueller Arbeit, die bis jetzt hauptsächlich verborgen und nur Eingeweihten bekannt war. Das ist die Arbeit, die durch Individuen und spirituelle Gruppen auf den inneren Ebenen getan wird, um der Menschheit von innen her zu helfen. Zu dieser Zeit ist es für all jene, die zu ihrer spirituellen Natur erwacht sind, absolut notwendig, so weit es ihnen möglich ist, mit dem Licht der Welt im Dienst für das Ganze zu arbeiten—um der Seele der Welt zu helfen aufzuwachen, so dass das Wunder und die Freude göttlicher Gegenwart wieder das alltägliche Leben nähren kann. Dies ist eine einfache, aber fordernde Arbeit, die Arbeit der Liebe und der Erinnerung, in unserem Leben vollständig präsent zu sein und unserem Licht und unserer Aufmerksamkeit zu erlauben, von den Meistern der Liebe benutzt zu werden.

Und immer sind wir in der Gegenwart unseres sheikh und in der Übertragung der Liebe gehalten, die von Lehrer zu Schüler weitergegeben wird: die Gnade, die bedingungslos gegeben wird, die Liebe, das Licht und der Schutz, welche von der Kette derjenigen kommt, die mit Gott verschmolzen sind.


NAQSHBANDIYYA-MUJADDIDIYYA GOLDENE KETTE

1. Prophet Muhammad.
2. Abû Bakr as-Siddîq (d. 634)
3. Salmân al-Fârisî (d. 655)
4. Qâsim ibn Muhammad (d. 725)
5. Jacfar as-Sâdiq (d. 765)
6. Bâyezîd Bistâmî (d. 845)
7. Abû ‘l-Hasan Kharaqânî (d. 1033)
8. Abû-l Qâsim Gurgânî (d. 1077)
9. Abû cAlî Fârmadî (d. 1084)
10. Yûsuf Hamadânî (d. 1141)
11. cAbd al-Khâliq Ghujduvânî (d. 1179)
12. cÂrif Rîvgarî (d. 1219)
13. Mahmûd Anjîr Faghnavî (d. 1316)
14. cAlî Râmîtanî (d. 1321)
15. Muhammad Bâbâ Sammâsi (d. 1354)
16. Amîr Kulâl (d. 1370)
17. Bahâ ad-Dîn Naqshband (d. 1389)
18. cAlâ ad-Dîn cAttâr (d. 1399)
19. Yacûb Charkhî (d. 1447)
20. Nasîr ad-Dîn cUbaydullâh Ahrâr (d. 1490)
21. Muhammad Zâhid (d. 1529)
22. Darwîsh Muhammad (d. 1562)
23. Muhammad Amkanagî (d. 1600)
24. Muhammad Bâqîbillâh (d. 1603)
25. Ahmad Sirhindî (d. 1624)
26. Muhammad Macsûm (d. 1668)
27. Sayfuddîn al-Faruqî (d. 1684)
28. Nûr Muhammad al-Badâwnî (d. 1723)
29. Mîrzâ Mazhar Jânjânân (d. 1780)
30. Nacîmullâh Bahrâichî (d. 1801)
31. Muradulla (d. 18??)
32. Abul Hasan (d. 1854)
33. Ahmad Ali Khan (d. 1889)
34. Abdul Gani Khan (d. 1952)
35. Radha Mohan Lal (Bhai Sahib) (d. 1966)
36. Irina Tweedie (d. 1999)
37. Llewellyn Vaughan-Lee
 

ANMERKUNGEN

(1) Bhai Sahib bedeutet 'Älterer Bruder'. Sein tatsächlicher Name war Radha Mohan Lal.
(2) Lalaji, auch bekannt als Ram Chandra, wurde der Gründer einer spirituellen Hindu-Tradition, die Ram Chandra Mission.
(3) R.K.Gupta, Yogis in Silence (Neu-Dehli: B.R., Paperback, 2002) S.93.
(4) Irina Tweedie, Der Weg durchs Feuer, Ansata-Verlag, 1988, S.926.
(5) Tweedie, Der Weg durchs Feuer, S.614.
(6) Tweedie, unveröffentlichter Vortrag, „Die Paradoxe der Mystik“, Wreking Trust, „Mystics and Scientists Conference“, 1985
(7) Tweedie, unveröffentlichter Vortrag, „Die Paradoxe der Mystik““, Wreking Trust, „Mystics and Scientists Conference“, 1985.
(8) 'Attar, Farîduddin, The Conference of the Birds, (London: Routledge & Kegan Paul, 1961), S. 132.
(9) Einige Jahre nachdem ich Irina Tweedie getroffen hatte, bekam ich einen Traum, der mir sagte, die Arbeiten von Carl Jung zu lesen. Später verfasste ich eine Doktorarbeit über Jungianische Psychologie und schrieb eine Anzahl von Büchern, welche die psychologischen Dynamiken auf den Stufen des Pfades erforschte, zum Beispiel Catching the Thread, Sufism, Dreamwork and Jungian Psychology (Inverness, California: Golden Sufi Center, 1999).
(10) Irina Tweedie, Der Weg durchs Feuer, Ansata Verlag, 1992, S. 964.
(11) Übersetzung Daniel Liebert, Rumi, Fragments, Ecstasies (Santa Fe, New Mexico: Source Books, 1981) S.45.
(12) Annemarie Schimmel, Mystical Dimensions of Islam (Chapel Hill: University of North Carolina Press, 1975), S.169.
(13) Khidr ist eine archetypische Figur der direkten Enthüllung, auf den der Qur'an sich bezieht als „einer Unserer Diener, dem Wir Gnade und Wissen um Uns selbst gegeben haben.“
(14) Die Seele ist weiblich, daher wird auf sie auch in der weiblichen Form Bezug genommen (Anm. d. Übers).
(15) Qua'ran, 2:109.
(16) Schimmel, Mystical Dimensions of Islam, S. 203.
(17) Als diese Tradition in Europa wuchs und sich ausdehnte, entstanden Meditationsgruppen, die nicht die physische Gegenwart des Lehrers hatten. Auf diesem Pfad kann jeder eine Meditationsgruppe beginnen, so lange dies im eigenen Zuhause stattfindet, in dem er regelmäßig Meditation praktiziert. Bei diesen verschiedenen Gruppen meditieren die Reisenden, teilen Träume mit und besprechen sie.
(18) Irina Tweedie, Der Weg durchs Feuer, Ansata Verlag, 1992, S. 159.
(19) Abû Sa‘id ibn Abî-l-Khayr, zitiert von R.A. Nicholson, Studies in Islamic Mysticism (Cambridge: Cambridge University Press, 1921), S. 51.
(20) Qur'an, Sure 5:59.
(21) Zitiert nach William Chittick, The Sufi Path of Love (Albany: State University of New York Press, 1983), S. 241.
(22) Qur'an 41:53.
(23) Baha ad-din Naqshband wurde geführt von ‘Abd‘l-Khâliq Ghujduwânî (d. 1220)—einem der wichtigsten Meister des Naqshbandi Ordens und der Meister, der den 'stillen dhikr' eingeführt hat—und ebenso von al-Hakîm at-Tirmidhî (gestorben. ca 907).
(24) Kundalini ist ein Aspekt der kosmischen Energie, die sich, entsprechend der Yogi-Tradition, an der Basis der Wirbelsäule befindet. In einigen Traditionen ist das Erwecken der Kundalini notwendig zur spirituellen Verwirklichung.
(25) J.G. Bennet, The Masters of Wisdom (Santa Fe, New Mexico: Bennett Books, 1995), S. 99.
(26) Siehe Sara Sviri, The Taste of Hidden Things (Inverness, California: Golden Sufi Center, 1997), S. 72-73.